Historisches Camberg Nr. 1 - Oktober 1978

Beitrag in "Historisches Camberg", Ausgabe 1, April 1998, Seite 1 bis 2

Cambergs Erhebung zur Stadt

Entnommen aus "Geschichte von Stadt und Amt Camberg" von Heinrich Jakob Müllers, Faksimiledruck der Chronik von 1879 als Heft 1/2 der Schriftenfolge Goldener Grund, 2. Auflage 1977, im CAMBERGER VERLAG ULRICH LANGE mit dessen freundlicher Genehmigung.

Der sog. goldene Grund, auch Camberger Grund genannt, gehörte zu dem Niederlohngau. Mehrere Jahrhunderte, ehe Camberg erwähnt wird, finden wir in diesem Grunde oder in dessen Nachbarschaft bekannte Namen, so Saltrissa (Selters), 774 die Wallehestorpher Mark (Walsdorf), 782 die Widergiser Mark (Würges), 784 die Erilbacher Mark (Erbach), 791 Wertorph (Wörsdorf), 795 Hettingen oder Dettingen, oberhalb Würges, Brechina (Brechen) , 785 Dabornaha (Dauborn). Da aber diese Namen nur durch zufällig aufbewahrte Urkunden uns überliefert worden sind, so können wir aus dem Umstande, daß der Name Camberg erst 1156 urkundlich erwähnt wird, nicht gleich den Schluß ziehen, daß Camberg jüngeren Datums als die angegebenen Orte sei. Vielmehr dürfen wir mit Recht ihm ein eben so hohes, wenn nicht höheres Alter zuertheilen. Ueber die früheste Geschichte Cambergs ist nichts bekannt. Mechtel sagte kurz, Camberg sei früher ein Hof, später ein Dorf gewesen und habe den Namen Kaynburg gehabt. Wir finden, daß die Grafen von Dietz sich später viel für das Wohl Cambergs thätig zeigen, so daß man wohl annehmen darf, daß sie selbst hier sehr begütert waren. Der Name wird in verschiedenen Zeiten verschieden geschrieben: 1157 Kamberch, 1197 Kamberc, 1431 Camberg und Camperch, 1452 Caymberg, sonst noch Camburg, Camburgk, Kamburg. Das Schwankende in der Endung (berg und burg) findet sich auch bei anderen Ortsnamen. Woher die Vorsilbe Cam stammt, wird wohl nicht leicht zu erklären sein. Kehrein (Volkssprache u.s.w.S.175) sagt: "Förstemann hat drei verschiedene Camburg, Kamberg, und ein Cambah(1), jedoch ohne Erklärung. Camberg in Oberhessen heißt im 15. Jh. Kemenadenberg, d.i. zu dem Berge, worauf eine kemenate d.i. ein kleineres innerhalb einer Ringmauer stehendes Wohngebäude errichtet ist". - Wenn man nun an anderen Orten sieht, daß die Herren im 13. und den folgenden Jahrhunderten nicht leicht eine Burg erbauten, ohne daß dem beiliegenden Dorfe Stadtrechte verliehen wurden, und daß die Grafen von Dietz sich um Erwerbung der Stadtrechte für Camberg so angelegentlich bemühten, so liegt die Vermuthung nahe, daß der "Hof Kaynburg" nichts Anderes als die später so genannte "alte Burg" (jetzt das Schlößchen) zu Camberg ist. Das Dorf Camberg erhielt wohl auf Betreiben Gerhard IV. von Dietz 1281 (27. Aug.) von König Rudolph I. Stadtrechte, und man vermuthet, daß damals auch die alte Burg erbaut worden sei. Graf Gottfried (1303-1348) und Gebhard VI. (1317-1343) von Dietz ließen Rudolphs Urkunde bestätigen. Gerhard VII. (1347-1388) hat (nach Mechtel) das Dorf mit Graben umgeben lassen. Derselbe Graf, von dem es heißt: "Derselbig Grave Gerhard erbauwet über zwey Jahre darnach Camberg" (also 1357 oder 1358), erlangte bei Karl IV. am 15. Juli 1365 wiederum die Stadtrechte. Camberg erhielt einen Freiheitsbrief mit besonderen Vergünstigungen, wie Stadtmauern, Marktrecht, Freiheit von Einquartierung und Vorspann beim Durchzug fremder Truppen, später Innungsrecht, Beschickung des Landtags u.s.w. Der Freiheitsbrief wurde anfangs des dreißigjährigen Krieges nach Dillenburg geflüchtet, wo er wohl noch ruhen mag; im vorigen Jahrhunderte haben die Camberger ihn trotz aller Processe nicht wieder erlangen können. Mechtel berichtet, daß Gerhard VII. der neuen Stadt zum Aufbau der Mauern den halben Zoll der Getränke geschenkt habe. Im Verlauf der Zeit verlor die Gemeinde diese Vergünstigung wieder. Der Weinaccis trug 1618 der Gemeinde etwas über 45 Florin ein, 1713 36 Fl. Daß auch bei Carnberg Wein gezogen wurde, ist aus dem Namen Wingertsberg (am Steinbruch auf dem Dombacher Wege) leicht zu schließen, wiewohl sonst von Weinbau in der Gemarkung Camberg nicht gesprochen wird.
(wird fortgesetzt)

Quellen:

  1. "Cambam vulgariter appellamus Bachus et Bruhus" (Back- und Brauhaus)
    Honth. I., 663.

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Beitrag in "Historisches Camberg", Ausgabe 1, April 1998, Seite 3 bis 4

Verein Historisches Camberg e.V. - Wege und Ziele

Das Vorhaben, der Wirtschafts- und Kurstadt Camberg nun endlich ein Heimatmuseum einzurichten, führte im November 1975 zur Konstituierung der "Initiativgruppe Historisches Camberg", die Anfang 1976 bereits 57 Mitglieder aufwies. Es zeigte sich schnell, daß ein Heimatmuseum nicht die einzige Aufgabe für eine Gruppe sein konnte, die sich mit der Erforschung und Erhaltung der Camberger Vergangenheit befaßt. Dies und die Absicht, dem Wirken um die Heimatstadt in Zusammenarbeit mit dem Kur- und Verkehrsverein, dessen Unterstützung dankbar verzeichnet wird, und anderen Gemeinschaften eine weitere starke Säule hinzuzufügen, bewirkte die Bildung eines eigenen "Vereins Historisches Camberg", der am 25.10.1977 gegründet, am 16.12.1977 in das Vereinsregister eingetragen und 3.1.1978 als gemeinnützig anerkannt wurde.

Dies sind seine Ziele:

ZWECK DES VEREINS IST ES, DIE VERGANGENHEIT VON STADT UND AMT CAMBERG UND SEINER NÄHEREN UMGEBUNG FÜR DIE ZUKUNFT LEBENDIG ZU ERHALTEN. DAS INTERESSE FÜR DIE ERHALTUNG UND PFLEGE HISTORISCHER GEBÄUDE, GEBRÄUCHE, GEGENSTÄNDE UND KUNSTWERKE SOLL GEWECKT UND WACHGEHALTEN WERDEN.

DIESER ZWECK SOLL ERREICHT WERDEN DURCH EINRICHTUNG UND UNTERHALTUNG EINES HEIMATMUSEUMS, SAMMLUNG UND BEARBEITUNG GESCHICHTLICHEN, HEIMAT- UND NATURKUNDLICHEN MATERIALS, DURCH DENKMALPFLEGE, DURCH MITARBEIT IM STADTARCHIV, DURCH ANREGUNG UND UNTERSTÜTZUNG WISSENSCHAFTLICHER ARBEITEN, DURCH AUSSTELLUNGEN, VORTRÄGE, FÜHRUNGEN UND STUDIENFAHRTEN, DURCH VERÖFFENTLICHUNGEN IN PRESSE, RUNDFUNK UND FERNSEHEN (aus der Satzung).

Entsprechend diesem umfassenden Wollen war schon die kurze Zeit des Bestehens reich an Aktivitäten. Auftakt war die Leihgabenausstellung im Bürgerhaus-Kurhaus "Historisches aus dem alten Amt Camberg". Im Zusammenhang mit dem 50jährigen Jubiläum der Kneippkur wurde der Brunnen im Amthof-Geviert restauriert und in Betrieb gesetzt. Es gab Studienfahrten nach Alsfeld und Limburg und in der Kreissparkasse eine Bilder-Ausstellung "Camberg in alten Ansichten". Sieben Glasvitrinen wurden beschafft, von denen zwei ständig in der Vorhalle des Bürgerhaus-Kurhauses Belege der heimischen Tierwelt und Fossilien der Gemarkung, alte Werkzeuge der Holzverarbeitung, schmiedeeiserne Gegenstände aus Camberger Bürgerhäusern, Dokumente der historischen Postlinien u.a.m. zeigen werden.

Vorträge verschiedener Thematik wurden gehalten, zur finanziellen Stärkung wurden von einer Rudolph'schen Federzeichnung des Amthof-Innenraumes Postkarten und Siebdrucke angeboten, und an vielen öffentlichen Anliegen war und ist der Verein zur Mitarbeit bereit. Dabei reicht die Spanne vom jährlichen Camberger Weihnachtsmarkt bis zur Camberger Chronik anläßlich der 700-Jahre-Stadtrechte-Feier im Jahre 1981. Unter Mithilfe der Forstbeamten Kretschmar und Brendel wurden in den Camberger Parks 49 Baumarten festgestellt, die vom Verein nun mit 85 Schildchen, die der Kur- und Verkehrsverein beschafft, ausgestattet werden.

Dabei ist das ursächliche Anliegen, das Camberger Heimatmuseum, nicht vergessen. Bis zu seiner Verwirklichung, die auf einer Nutzungsstudie von Dr. H. W. Peuser "Hohenfeldsche Kapelle, Bügelsaal und Obertorturm" beruht, werden erhebliche Vorarbeiten erforderlich sein, die nach inzwischen erfolgter Zuweisung eines entsprechenden Zuschusses an die Stadt nunmehr beginnen können.

Dank Entgegenkommen des Magistrats konnte sich der Verein im 2. Stock des Amthofes sein "Hauptquartier" einrichten. In den dortigen Werk-, Depot- und Archivräumen sind jeden 2. Dienstag im Monat namenlose Helfer dabei, die Wohnung selbst zu einem Schmuckkästchen zu machen und die inventarisierten Gegenstände zu ordnen und instandzusetzen. Jeder ist willkommen!

Gemäß den Aufgaben des Vereins haben sich ohne feste organisatorische Form verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, so für Geologie - Fossilien der Gemarkung, Landwirtschaftliche Geräte, Holzverarbeitende Berufe, Metallverarbeitende Berufe, Aufnahme historischer Gebäude, Trachten im Camberger Raum, Mundart und Volkstanz

Über die Tätigkeit und Ergebnisse dieser Arbeitsgruppen werden die Sachkundigen, die sich dem jeweiligen Thema verschrieben haben, in Zukunft in diesem Mitteilungsblatt berichten, das gleichzeitig ein Spiegel der Vereinsarbeit, der Pläne und Vorschläge, der Aktivitäten und Erfolge darstellen wird. Zum Mitdenken und zur Diskussion sind nicht nur die Mitglieder, sondern alle Interessierten, denen Cambergs Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft am Herzen liegt, aufgefordert und eingeladen.

 

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